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Was ist Bernstein?
Fossiles Harz mit jahrmillionenalter Geschichte
Bernstein ist kein Mineral im klassischen Sinne, sondern fossiles Baumharz.
Harz, das vor rund 38 Millionen Jahren aus urzeitlichen Pinienbäumen austrat, wurde im Laufe geologischer Prozesse unter Luftabschluss, Druck und Temperaturveränderungen zu Bernstein.
Der für Schmuck bedeutendste - da er am besten zu verarbeiten ist - und wissenschaftlich am besten untersuchte Bernstein, ist der baltische Bernstein, der überwiegend im Ostseeraum vorkommt, aber auch an entfernter gelegenen Fundstätten auftaucht. Mit Gletschern und Flussläufen hat sich das versteinernde Harz nach Nord- und Osteuropa verteilt und in Sedimentschichten eingelagert.
Die größten Abbaustätten finden sich in der Region um Kaliningrad. Reichhaltige Funde gibt es außerdem an den Küsten von Litauen, Lettland und Estland. Die polnische Ostseeküste, die "Danziger Bucht", ist ebenso ein bekanntes Fundgebiet. Deutsche Fundorte finden sich vor allem auf Rügen und Usedom. Auch an den Küsten Südschwedens und Dänemarks sowie in nördlichen Regionen der Ukraine gibt es regelmäßige Funde.
Entstehung
Der Baltische Bernstein ist etwa 38 Millionen Jahre alt. Er entstand aus dem Harz von Koniferen (Nadelbäumen), die in großen Wäldern auf dem Gebiet des heutigen Skandinaviens und der Ostsee wuchsen. Die primäre Lagerstätte ist die "Blaue Erde" im Samland (Kaliningrad). Durch Gletscher und Meeresströmungen wurde er im Laufe der Eiszeiten in der gesamten Ostsee- und Nordseeregion verbreitet.
Frisches Baumharz dient Bäumen als natürlicher Schutzmechanismus, etwa bei Verletzungen der Rinde.
Harz, das aus Bäumen austritt, ist anfangs flüssig. Durch den Einschluss von Sauerstoff und unter Druck- und Temperatureinflüssen im Boden polymerisiert das Harz, das heißt, die Moleküle verbinden sich zu langen Ketten.
Die Polymerisation ist der natürliche „Aushärtungsprozess“. Er verläuft über eine Zwischenstufe, den sogenannten Kopal (jüngeres, noch weicheres Harz), bis hin zum voll ausgehärteten Bernstein. Dieser Prozess erstreckt sich über viele Millionen Jahre.
Durch die Polymerisation verflüchtigen sich ätherische Öle (Terpene), das Material wird hart, oxidiert und verliert seine Klebrigkeit.

Physikalische Eigenschaften
Bernstein besitzt besondere materialtypische Eigenschaften. Er hat ein sehr geringes Gewicht, eine warme, organische Haptik, eine niedrigere Härte als Mineralien, er schwimmt in Salzwasser (richtige Konzentration vorausgesetzt) und lässt sich elektrostatisch aufladen.
Das altgriechische Wort für Bernstein ist "elektron" und bedeutet „strahlendes Gold“ oder „helles Gold“. Im 6. Jahrhundert v. Chr. entdeckte der Philosoph Thales von Milet, dass Bernstein Federn oder Strohhalme anzieht, wenn man ihn an einem Wolltuch reibt. Diese Beobachtung der Elektrostatik führte Jahrhunderte später dazu, dass der Begriff Elektrizität direkt vom griechischen Namen für Bernstein abgeleitet wurde.
Aufgrund seiner organischen Herkunft ist Bernstein brennbar und verströmt beim Erhitzen einen harzartigen Duft.
Farbe und Transparenz
Bernstein kommt in verschiedenen Farbtönen vor, darunter: honiggelb transparent (hellcognac), cognac transparent, milchig-gelblich opak (sog. Butterscotch), grünlich transparent und rötlich transparent, dunkelbraun und sogar schwärzlich.
Die verschiedenen Farben des Bernsteins entstehen hauptsächlich durch Einschlüsse von Gasbläschen, organische oder mineralische Verunreinigungen, sowie oxidative Prozesse während der Jahrmillionen dauernden Entstehung. Die ursprüngliche Farbe ist meist ein helles Gelb, das sich aber durch unterschiedliche äußere Einflüsse stark verändern kann.
Gelber/Honig- und Cognacfarbener Bernstein: Die häufigste Form, verursacht durch eine geringere Dichte an Gasbläschen, die das Licht gelblich brechen.
Weißer/Gelblicher/Milchiger Bernstein: Entsteht durch eine extrem hohe Dichte an winzigen Gasbläschen (Luft oder Gase) im Harz. Das Licht wird gestreut, was den Bernstein undurchsichtig und weißlich erscheinen lässt. Im Laufe von Jahrzehnten verändert sich die Oberflächenfarbe von milchigen Bernsteinschmuckstücken weiter in einen satt-gelben Farbton und oxidiert schließlich zu einem intensiven orange-bräunlichen Farbton. Diese Schmuckstücke nennt man dann "Antik-Bernstein". Dieser Effekt bzw. diese "anitike Optik" eines Bernstein-Schmuckstücks kann allerdings auch künstlich durch Erwärmen/"Backen" des Bernsteins im Ofen erzeugt, sprich imitiert werden.
Milchigem Bernstein wurden in der Antike besondere Heilkräfte zugesprochen, er wurde zu Pulver zermahlen und als vermeintlich medizinisch wertvoller Zusatz in Tee oder Wasser gerührt. Das hatte damals wohl noch nichts mit wissenschaftlich fundierten Erkenntnissen zu tun, doch vielleicht hatte man bereits eine Ahnung, dass das Material etwas ganz Besonderes ist. Der weiße Bernstein hat einen höheren Anteil an Bernsteinsäure als seine andersfarbigen Artgenossen. Bernsteinsäure - auch Succinsäure genannt - hat eine stark entzündungshemmende Wirkung, außerdem wirkt sie antimikrobiell, antioxidativ und hautberuhigend.
Grünlicher Bernstein: Entsteht oft durch Verunreinigungen im Sediment, in dem das Harz eingebettet war. Kontakt mit pyrithaltigem Sediment oder Glaukonit kann zu grünlichen Verfärbungen führen. Den Begriff "grünlich" verwenden wir ganz bewusst, denn baltischer Bernstein findet sich nicht in "flaschengrüner" Farbe - wie oft angenommen wird - dieser intensiv grüne Farbton wird künstlich erzeugt.
Rötlicher Bernstein: Entsteht durch Oxidation. Wenn der Bernstein oberflächennah lagert und über lange Zeit Luftsauerstoff auf ihn einwirkt, oxidiert er und nimmt einen rötlichen (kirschroten) Farbton an.
Schwarzer/Dunkler Bernstein: Entsteht durch den Einschluss organischer Partikel (Pflanzenreste, Erde, Humus) während das Harz flüssig war.
Es gibt viele Verfahren, wie Bernstein in Farbe und Optik verändert werden kann.
Einschlüsse
Bernstein aus dem Erdzeitalter des Eozäns ist bekannt für seine zahlreichen und vielfältigen Einschlüsse, die von besonderem naturhistorischem Interesse sind. Dies sind die sogenannten Inklusen, darunter Ameisen, Spinnen und andere Insekten, die einen detaillierten Einblick in die Tier- und Pflanzenwelt von vor 38 Millionen Jahren geben. Eine unglaubliche Zeitspanne und Ewigkeit, die das menschliche Vorstellungsvermögen sprengt. Unser Zeitfenster - das der menschlichen Existenz - ist demgegenüber so lang wie ein Wimpernschlag.
Unsere Faszination für Inklusen ist besonders groß - Insekten aller Art, die sich in ihren Merkmalen und ihrer Beschaffenheit kaum von ihren gegenwärtigen Artgenossen unterscheiden. Eine Wespe oder eine Ameise sieht heute – so viele Millionen Jahre Evolutionsgeschichte später – ihren Vorfahren aus dem Eozän erstaunlich ähnlich, da sich ihr "Bauplan" als extrem erfolgreich erwiesen hat.
Besonders hinsichtlich der Inklusen werden wir unser Angebot in den kommenden Monaten weiterentwickeln.
(Foto: Carsten Gröhn | Sphecidae 6,1mm)

Historische Bedeutung
Bernstein wurde bereits in der Antike als Schmuck- und Handelsmaterial geschätzt. Über die sogenannten „Bernsteinstraßen“ - es existierten zwei Hauptrouten, die römische Bernsteinstraße und eine östlichere Route - gelangte er vom Ostseeraum bis nach Italien und Griechenland.
Aus der griechischen Mythologie stammt die Bezeichnung des Bernsteins als "Tränen der Götter" - basierend auf der Heliaden-Sage.
Unsere Ode an den Bernstein
Für uns ist Bernstein ein faszinierendes und wunderschönes Material, das so vielseitig verarbeitet werden kann und gleichzeitig wissenschaftlich so interessant und bedeutsam ist.
